Ursachen einer ungewollten
Kinderlosigkeit
Einführung
Es ist keineswegs aussergewöhnlich, wenn vom Beginn der Planung einer Schwangerschaft bis zu ihrem tatsächlichen Eintreten eine gewisse Zeit vergeht. Wie lange es dauern kann, ist nicht zuletzt abhängig vom Alter einer Frau – vor allem zwischen 35 und 40 Jahren ist ein merklicher Rückgang der natürlichen Fruchtbarkeit festzustellen. Bei den meisten Paaren tritt die Schwangerschaft innerhalb eines Jahres auf. Ist dies nicht der Fall, kann eine Abklärung über die Gründe stattfinden.
Eine ungewollte Kinderlosigkeit kann zahlreiche Ursachen haben. Nicht immer müssen organische Gründe vorliegen, doch auch solche sind keineswegs eine Seltenheit. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass rund acht bis zehn Prozent aller Paare ein Problem mit der Fruchtbarkeit haben.
Ursachen bei der Frau für Unfruchtbarkeit
Häufige Ursachen bei der Frau sind:
- Störungen der Schleimproduktion im Gebärmutterhals
- Erkrankungen oder Verschluss der Eileiter
- Verwachsungen um die Eierstöcke oder die Eileiter
- Hormonelle Veränderungen mit Störung oder Ausbleiben des Eisprungs inklusive PCO-Syndrom
- Endometriose
- Erkrankungen der Gebärmutter wie Myome, Polypen oder Fehlbildungen
Störungen der Schleimproduktion im Gebärmutterhals
Der Gebärmutterhals besitzt kleine Drüsen, welche Schleim produzieren. Dieser Schleim schützt einerseits die Gebärmutter vor dem Eindringen von Bakterien in die Gebärmutterhöhle, andererseits ist er ein wichtiges Transportmittel für die Samenzellen. Ohne diesen Schleim könnten die Samenzellen nicht in das Innere der Gebärmutter und dann in die Eileiter gelangen. Die Samenzellen können im Schleim bis zu vier Tagen überleben und wirken wie ein Reservoir, aus dem sie nach und nach in die Gebärmutter entlassen werden. Deshalb ist es, um schwanger zu werden, nicht notwendig, genau zum Zeitpunkt des Eisprungs Geschlechtsverkehr zu haben.
In der ersten Zyklushälfte bis zum Eisprung ist der Schleim wässrig und wird in reichlicher Menge produziert. Für Samenzellen ist er gut passierbar. Viele Frauen spüren am Scheideneingang, wie der Schleim zum Eisprung hin immer reichlicher, wässriger und ausziehbarer wird, wie das Eiweiss eines rohen Eis. Der letzte Tag, an welchem dieses Phänomen auftritt, ist meistens der fruchtbarste Tag des Zyklus. Nach dem Eisprung wird der Schleim unter dem Einfluss des Gelbkörperhormons zäher und klebriger und ist für die Samenzellen nicht mehr durchgängig.
Chronische Entzündungen des Gebärmutterhalses können den Schleim so verändern, dass er für Samenzellen nicht durchgängig ist. Gelegentlich finden sich im Schleim des Gebärmutterhalses Antikörper, welche die Samenzellen unbeweglich und somit unfruchtbar machen.
Durch den Sims-Huhner-Test können Qualität und Funktion des Gebärmutterhalses untersucht werden: Ein Tag nach dem Geschlechtsverkehr zum Zeitpunkt des Eisprungs wird der Schleim unter dem Mikroskop untersucht. Dabei sollten eine genügende Anzahl gut beweglicher Samenzellen sichtbar sein.
Erkrankungen oder Verschluss der Eileiter
Die Eileiter dienen dem Transport des Eis vom Eierstock in die Gebärmutter. Der Eileiter ist auch der Ort, an welchem die Befruchtung stattfindet. Sind beide Eileiter nicht durchgängig, ist somit eine Schwangerschaft unmöglich. Veränderte oder erkrankte Eileiter sind etwa für einen Viertel der Fälle von Unfruchtbarkeit verantwortlich. Als Ursachen für verschlossene Eileiter kommen vor allem Verwachsungen und Vernarbungen nach Eileiterentzündungen oder eine Endometriose in Frage. Die Diagnose von verschlossenen Eileitern wird entweder anlässlich einer Laparoskopie (Bauchspiegelung) oder einer Ultraschalluntersuchung mit Kontrastmittel gestellt.
Hormonelle Veränderungen mit Störung oder Ausbleiben des Eisprungs inklusive PCO-Syndrom
Jede hormonelle Erkrankung des Körpers, also auch ausserhalb der Fortpflanzungsorgane, kann zur Störung des Eisprungs und damit zur Unfruchtbarkeit führen. Beispiele sind Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), die Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse oder der Nebenniere sowie Störungen der Hormonproduktion der Hypophyse (Hirnanhangdrüse). Seelische Belastungen, Stresssituationen oder Essstörungen können durch Beeinträchtigung verschiedenster Hormonsysteme ebenfalls zur Störung des Eisprungs und damit zum Ausbleiben einer Schwangerschaft führen.
Die häufigste hormonelle Ursache für Kinderlosigkeit ist das „Syndrom der polyzystischen Ovarien“, auch „PCOS“ oder „PCO-Syndrom“ genannt.
PCOS bedeutet, dass bei einem Ultraschall im Eierstock zwar sehr viele kleine Follikel (Eibläschen) sichtbar sind, davon jedoch keiner zum Eisprung bereit ist. Der Ausdruck „ Zyste“ ist hier also völlig irreführend, suggeriert er doch eine Geschwulstbildung, mit der das PCO-Syndrom jedoch nichts zu tun hat. Frauen mit dem PCO-Syndrom haben oft erhöhte männliche Hormonspiegel im Blut, was zu Akne oder vermehrtem Haarwuchs führen kann. Etwa zwei Drittel der Frauen mit PCOS sind übergewichtig, ein Drittel schlank.
Hier können Sie mehr über das PCO-Syndrom erfahren ((Link zu definieren))
Endometriose
Das Innere der Gebärmutter ist von einer Schleimhaut ausgekleidet, in welcher sich das befruchtete Ei einnisten kann, und welche beim Ausbleiben einer Schwangerschaft anlässlich der Menstruation ausgestossen wird. Der Ausdruck „Endometriose“ bedeutet, dass Partikel dieser Gebärmutterschleimhaut sich an Orten ausserhalb der Gebärmutter befinden, zum Beispiel im Bauchraum auf dem Bauchfell, auf den Eierstöcken oder auf den Eileitern. Diese Schleimhautpartikel verhalten sich gleich wie die Schleimhaut in der Gebärmutter, das heisst, sie werden durch die Hormone der Eierstöcke zum Wachstum angeregt, und während der Menstruation kommt es zu einer schwachen Blutung in den Bauchraum. Da die Auskleidung der Bauchhöhle, das Bauchfell, sehr empfindlich ist, haben Frauen mit Endometriose oft sehr starke Periodenschmerzen. Da die Schleimhaut am falschen Ort in der Bauchhöhle als Fremdkörper wirkt, kommt es zu Entzündungsvorgängen und Verwachsungen, was zu Unfruchtbarkeit führen kann. So wie es verschiedene Schweregrade und verschiedene Lokalisationen von Endometriose gibt, so gibt es verschiedene Behandlungsarten.
Männliche Ursachen der Unfruchtbarkeit
Eine für eine Befruchtung ungenügende Qualität der Samenzellen kann folgende Ursache haben:
- Ungenügende oder fehlende Produktion der Samenzellen durch die Hoden
- Leistenhoden
- Infektionen
- Fieber
- Hodenkrebs
- Antikörper gegen die eigenen Samenzellen
- Umweltgifte
- Hormonstörungen
Ungenügende oder fehlende Produktion der Samenzellen durch die Hoden
Die ungenügende Produktion von Samenzellen durch die Hoden ist die häufigste Ursache von schlechter Samenqualität. Dabei können die Zahl der Samenzellen oder deren Beweglichkeit vermindert sein, oder es werden vermehrt abnormale Formen gebildet. Sehr oft kommen alle drei Möglichkeiten zusammen vor. Diese Veränderungen verursachen keine Symptome, sie werden erst im Rahmen der Samenuntersuchung entdeckt. Gelegentlich ist die Hodengrösse etwas kleiner. Die Ursachen der gestörten Samenproduktion bleiben oft unbekannt. Diskutiert werden Veränderungen auf einzelnen Genen des Y-Chromosoms oder Beschädigungen der Zellwände der Samenzellen durch körpereigene Stoffwechselprodukte.
Leistenhoden
Während der Entwicklung eines männlichen Kindes wandern seine Hoden aus dem Leistenkanal in den Hodensack. Gelegentlich befinden sich die Hoden bei der Geburt noch im Leistenkanal. Verbleiben die Hoden zu lange in der Leiste, können sie durch die erhöhte Temperatur irreversibel geschädigt werden. Es ist deshalb sehr wichtig, dass bei Jungen dieser Zustand so früh wie möglich behandelt wird. Je länger die Hoden der erhöhten Temperatur in der Leiste ausgesetzt sind, umso grösser ist die Wahrscheinlichkeit einer Schädigung.
Infektionen
Infektionen mit Bakterien wie Chlamydien oder Gonokokken können zu einem Verschluss der Samenleiter führen, so dass die Samenzellen von den Hoden nicht mehr nach aussen gelangen können. Tritt eine Infektion mit dem Mumps-Virus nach der Pubertät auf, kann das Virus das Hodengewebe zerstören. Eine Besiedlung der Samenleiter oder der Harnröhre mit gewissen Bakterien kann die Samenzellen so beeinträchtigen, dass sie nicht mehr befruchtungsfähig sind.
Fieber
Nur schon eine Episode hohen Fiebers, wie sie anlässlich einer Grippe auftritt, kann die Samenqualität für bis zu drei Monaten beeinträchtigen. Ebenfalls können sehr häufige und ausgedehnte Saunabesuche die Samenzellen negativ beeinflussen. Ebenfalls zu ungünstiger Erwärmung können ein zu langes Arbeiten mit dem Laptop auf dem Schoss oder stundenlange Ausfahrten mit dem Rennvelo führen.
Hodenkrebs
Männer mit einem – auch sehr kleinen – Hodenkrebs haben oft eine schlechte Samenqualität. Oft werden diese Geschwülste erst im Rahmen der Abklärung wegen Kinderlosigkeit entdeckt. Es ist deshalb sehr wichtig, dass Männer mit einem schlechten Spermiogramm urologisch unersucht werden.
Antikörper gegen die eigenen Samenzellen
Manchmal produzieren Männer in der Samenflüssigkeit Antikörper gegen ihre eigenen Samenzellen, welche dadurch verklumpen und befruchtungsunfähig werden. Die Ursache dieser Antikörperbildung ist nicht immer bekannt.
Umweltgifte
Verschiedene Chemikalien, welche sich in den Gewässern und Abwässern und in Spuren auch im Trinkwasser finden, bewirken im tierischen und menschlichen Organismus eine Wirkung, welche dem des weiblichen Hormons Östrogen gleicht. Vertreter dieser Substanzen sind die Phthalate und Biphenyle. Durch ihre den weiblichen Hormonen ähnliche Wirkung ist es möglich, dass sie die männlichen Keimzellen schädigen.
Dämpfe von Schwermetallen, wie sie zum Beispiel beim Lackieren vorkommen können, sind ebenfalls in der Lage, die Samenzellen zu schädigen. Schwermetalle finden sich auch im Zigarettenrauch neben anderen, die Samenzellen schädigenden organischen und anorganischen Substanzen. Dies ist der Grund, weshalb die Schwangerschaftsraten bei der In-Vitro-Fertilisierung drastisch reduziert sind, auch wenn „nur“ der männliche Partner raucht. Eine verheerende Wirkung auf die Fruchtbarkeit haben auch Anabolika, welche zum Aufbau von vermehrter Muskelmasse im Rahmen des Bodybuildings eingesetzt werden und mit den männlichen Hormonen verwandt sind. Diese führen nicht etwa zur vermehrten Fruchtbarkeit, wie man im ersten Augenblick denken könnte. Stattdessen gaukeln sie dem Körper vor, dass er schon mehr als genug männliche Hormone hat, wodurch er die Hoden und somit die Samenproduktion stilllegt.
Hormonstörungen
Hormonstörungen als Ursache der Unfruchtbarkeit sind beim Mann viel seltener als gemeinhin angenommen. Damit die Hoden ihre Arbeit verrichten können, nämlich Samenzellen und männliche Hormone produzieren, müssen sie von einer Hormondrüse an der Hirnbasis, der Hirnanhangdrüse, angeregt werden. Ganz selten kommt es vor, dass diese Drüse zu wenig oder zu viel arbeitet und dadurch die Hoden nicht richtig angeregt werden. Die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) kann zur Impotenz und dadurch auch zur Unfruchtbarkeit führen.

