Kinderwunschzentrum Bodensee AG
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FAQ

Unfruchtbarkeit und Alter

Warum ist es für eine 40 jährige  Frau schwieriger schwanger zu werden als für eine 30 jährige Frau? Werden die Eizellen mit den Jahren weniger befruchtungsfähig?

Dies hängt mit den Trägern des Erbmaterials, den Chromosomen zusammen. Jede Zelle des Körpers hat 46 Chromosomen, je 23 von Vater und Mutter. Dies bedeutet, dass die Samenzelle und  die Eizelle ihren Chromosomensatz auf 23 halbieren müssen, damit das neue Individuum wieder 32 Chromosomen hat. Diese Halbierung des Chromosomensatzes nennt man Meiose. Beim Mann passiert  dieser Prozess ununterbrochen, Samenzellen werden fortlaufend produziert. Bei der Frau ist die Situation ganz anders. Noch während sie ein ungeborenes Baby im Mutterleib ist, beendet ihr Körper etwa in der 20. Schwangerschaftswoche die Bildung neuer Eizellen. Auch diese Eizellen müssen den Chromosomensatz halbieren. Dieser Vorgang wir aber, kaum hat er begonnen, unterbrochen. Erst wenn Eizelle zum Eisprung kommt, wird dieser Vorgang der Meiose zu Ende geführt. Die Eizelle verharrt also während Jahren und Jahrzehnten in einem Zustand der begonnenen, aber „blockierten“, nicht zu Ende geführten Halbierung der Chromosomen. Um so länger dieser „Schlafzustand der Eizellen dauert, um so eher passiert eine Panne, wenn die Halbierung des Chromosomensatzes dann zu Ende geführt wird. Dies bedeutet, dass die Eizelle dann nicht 23 Chromosomen hat, sondern nur 22 oder aber 24. Diese Eizellen sind dann nichtbefruchtungsfähig, oder sie führen zu einem Embryo, welcher sich nicht in die Gebärmutter einnisten kann. Je älter eine Frau ist, um so länger verharren die Eizellen in ihrem blockierten Zustand. Warum der verlängerte Ruhezustand zu diesen vermehrten Störungen führt, ist noch nicht genau bekannt. Vermutet wird, dass es mit den Jahren zu subtilen chemischen Veränderungen in der Flüssigkeit der Eizelle kommt, welche den geordneten Ablauf der Meiose stören können.

Spermien-Antikörper

Was genau bedeuten Spermienantikörper? Ist dies ein Problem bei der Frau, beim Mann oder bei beiden?

Spermienantikörper, also  Eiweisse welche gegen Samenzellen gerichtet sind, können bei der Frau und beim Mann vorkommen. Diese Eiweisse binden an die Samenzelle und können zu Unbeweglichkeit oder Verklumpung führen. Dadurch können sie nicht mehr durch den Schleim des Gebärmutterhalses in die Gebärmutter eindringen oder ihre Anbindung an die Eizelle ist gestört. Beim Mann kommen diese Spermien Antiköper oft nach Verletzungen oder Infektionen der Hoden vor. Die Ursache dieser Antikörper bei der Frau ist unbekannt. Das Vorkommen von Spermien Antikörpern bedeutet aber nicht in jedem Fall, dass eine spontane Schwangerschaft nicht möglich ist und es gibt leider noch keinen guten Test um herauszufinden, ob im konkreten Einzelfall diese Antikörper wirklich die Ursache der Kinderlosigkeit sind. Falls die Unüberwindbarkeit des Schleimes des Gebärmutterhalses als Ursache für die Sterilität angesehen wird, besteht die Behandlung im Einbringen von gewachenen,d.h. von Antikörper befreiten Spermien direkt in die Gebärmutter (Insemination)

Infektionen

Können Infektionen und Entzündungen im Genitalbereich zu Unfruchtbarkeit führen, auch wenn man keine Symptome hat?

Die Besiedlung der Drüsen des Gebärmutterhalses oder der Gebärmutter mit Keimen wie Ureaplasmen kann zu einer chronischen Entzündung und damit zur Schädigung der Samenzellen oder zur Störung der Einnistung der befruchteten Eizelle führen. Diese chronische Entzündung kann zu vermehrtem Ausfluss führen oder aber völlig symptomfrei sein. Die Verbreitung dieser Keime ist sehr häufig, das heisst  dass in fast 30 Prozent aller getesteten Fälle diese Keime gefunden werden. Der Nachweis und die korrekte Behandlung mit dem richtigen Antibiotikum  sind deshalb äusserst wichtig. Auch der Erfolg einer IVF-Behandlung ist bei einer Infektion mit Ureaplasmen deutlich schlechter.

Embryotransfer: an welchem Tag?

Bei der „künstlichen Befruchtung“ kommen die befruchteten Eizellen bzw. Embryonen in den Inkubator („Brutschrank“) und werden nach zwei bis fünf Tagen in die Gebärmutter zurückgegeben. Welcher Tag ist der beste? Gibt es gesetzliche Regelungen, welche in der Schweiz die Rückgabe am fünften Tag verbieten?

Diesbezügliche gesetzliche Regelungen gibt es nicht, es liegt im Ermessen des Behandlungsteams, welches sich auf Grund der  individuellen Situation und in Absprache mit dem Paar für einen Tag entscheidet. Neueste Studien zeigen, dass der Tag der Rückgabe („Embryotransfer“) insgesamt einen eher kleinen Einfluss auf die Erfolgschance hat. In gewissen Situationen kann es von Vorteil sein, mit dem Transfer bis zum fünften Tag zu warten mit der Ueberlegung, dass sich diejenigen Embryonen, welche im Brutkasten bis zum fünften Tag überlebten, dann auch in die Gebärmutter erfolgreich einnisten. Leider ist dies aber nicht immer der Fall. Auf der andern Seite gibt es oft Situationen, wo die natürliche Umgebung in der Gebärmutter für die Embryonen besser ist als die künstliche im Gläschen und Brutschrank. Individuelles, auf seriösen wissenschaftlichen Ergebnissen beruhendes handeln ist auch hier wichtig gegenüber einem festen Vorgehen „nach Schema“ .

ISCI-Verfahren

Ist beim ICSI-Verfahren die Wahrscheinlichkeit, ein behindertes Kind zu bekommen, erhöht?

In grossen wissenschaftlichen Untersuchungen weltweit zeigte sich, dass  Kinder welche nach dem ICSI-Verfahren gezeugt wurden, eine leicht höhere Fehlbildungsquote aufwiesen, als die gleiche Anzahl Kinder, welche ohne Behandlung gezeugt wurden. Da die Wahrscheinlichkeit von Fehlbildungen stark vom elterlichen Alter abhängt, verglich man Kinder von Eltern gleicher Altersgruppen. Dabei verschwand der Unterschied an Fehlbildungen. Der Unterschied rührte also daher, dass Paare, welche eine Sterilitäts-Behandlung durchführen im Mittel etwas älter sind als Paare mit „Spontanschwangerschaften“.

Nebenwirkung von Hormonen

Haben die Hormone, welche zur Stimulation bei der künstlichen Befruchtung verwendet werden Nebenwirkungen?

Zur Stimulation der Eierstöcke wird das FSH (Follikel Stimulierendes Hormon), ein natürliches Hormon der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) verwendet. Dieses Hormon regt den Eierstock an, mehrere Eizellen zur Reife zu bringen und das Eierstockhormon „Oestrogen“ zu bilden. Dieses Oestrogen, welches auch für die Ausbildung der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale verantwortlich ist, wird von jeder Frau in jedem Zyklus gebildet. Da man für die künstliche Befruchtung mehrere Eizellen zur Reifung bringen möchte, bilden die Eierstöcke vermehrt Oestrogen. Und es ist dieses vermehrt vom Köper gebildete Oestrogen, welches man in Form von Brustspannen, Ziehen im Bauch oder leichter Wassereinlagerung spüren kann. Von dem gespritzten FSH selber kann man rein gar nichts merken. In der Menopause steigt dieses Hormon bei allen Frauen stark an und es erreicht im Blut Spiegel, welche dem zehnfachen dem bei einem IVF-Zyklus erreichten entsprechen. Die Stimulation der Eierstöcke darf allerdings nur massvoll erfolgen. Werden sie zu stark stimuliert oder sprechen sie auf die Stimulation zu stark an, vergrössern sie sich extrem und bilden lokale Gewebehormone, welche zur Wasseransammlung in der Bauchhöhle führen. Dieser „Ueberstimulationssyndrom“ genannte Zustand erfordert den Ersatz der in die Bauchhöhle ausgetretenen Flüssigkeit durch Infusionen. Auch bei der Stimulation hat man heute gelernt, dass weniger oft mehr ist, weshalb es nur noch in seltenen Fällen auftritt.

Umweltgifte

Können Umweltgifte die Fruchtbarkeit beeinträchtigen?

Die Antwort ist eindeutig Ja. Kürzlich konnte in einer Studie nachgewiesen werden, dass es zwischen Perfluorierten Verbindungen (PFCs genannt) und der Unfruchtbarkeit von Frauen und wahrscheinlich auch Männern einen Zusammenhang gibt. PFCs sind widerstandsfähige chemische Verbindungen, die zur Oberflächenbehandlung von Pfannen, Textilien, Leder, Papier, Teppiche etc. verwendet werden. Sie finden sich aber auch in Kosmetika, elektronischen Geräten und in Kunststoffen. Perfluorierte Verbindungen wurden in der Luft, in Flüssen, Seen und Grundwasser genauso nachgewiesen wie in Mülldeponien und in den Meeren. Verstärkter öffentlicher und politischer Druck hat seit einigen Jahren zu teilweisem Ersatz mit weniger giftigen Stoffen geführt.
Die Studie ergab, dass Frauen mit höheren PFCs-Spiegeln im Blut im Mittel mehr Zeit benötigten, bis sie schwanger wurden. Bei Frauen mit hohen PFC Spiegeln war zudem die Wahrscheinlichkeit der Unfruchtbarkeit um 130 Prozent erhöht! Es gibt zudem Hinweise, dass diese Substanzen auch die Samenzellen beeinträchtigen. Es ist deshalb geplant, die erwähnte Studie auf die Männer auszudehnen.

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